Verband der Studienreiseleiter e.V.

German Tourguide Association - gegründet 1988

Ein Rundgang über die CMT

(Caravaning – Motor – Touristik – Messe in Stuttgart 16.-24. 1. 2016)

Wie in jedem Jahr gibt es zwei Partnerländer auf der CMT, eines liegt in Europa, das andere ist immer eine Fremddestination.

In diesem Jahr waren die Partnerländer Schweiz und Indien.

Indien war mit über 300 Partnern vertreten. Zahlreiche Veranstaltungen lockten die Besucher auf den riesigen Stand in eine der vier Hallen, die den Tourismusveranstaltern vorbehalten waren.

Das Land setzt voll auf den Trend Wellness und Gesundheit. Dementsprechend gab es zahllose Ayurveda-, Yoga- und sonstige Angebote, die für das Wohl von Leib und Seele sorgen sollen.

Daneben warb Indien mit seiner reichhaltigen Kultur (immerhin gibt es 32 UNESCO-Weltkulturerbestätten) und seiner abwechslungsreichen Landschaft.

Gleichsam im Schatten Indiens veranstaltete Nepal einen Nepal-Tag. Nach dem verheerenden Erdbeben im April 2015 war der Tourismus praktisch zusammengebrochen. Auf dem Nepal-Tag informierten touristische Partner sowie NGO-Vertreter über den Wiederaufbau der Infrastruktur dieses stark gebeutelten Landes.

Das andere Partnerland Schweiz hat, touristisch gesehen, ebenfalls schwer zu kämpfen. Der starke Franken hat zu einem spürbaren Rückgang der europäischen Besucher bei Übernachtungen geführt. Meistens wird nur noch zwei bis maximal dreimal übernachtet. Einen längeren Urlaub in der Schweiz kann (oder will?) sich keiner mehr leisten.

Bei Gesprächen auf dem Schweizer Stand konnte ich mitbekommen, wie die Schweizer Touristiker mit dem starken Rückgang der Besucherzahlen zu

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kämpfen haben. „Jetzt liegen China, Hongkong, die Golfstaaten und Korea vorn, dann erst kommt Deutschland und bald danach Indien“, so eine Vertreterin von Interlaken-Tourismus.

Die steigenden Zahlen exotischer Besucher aus Asien gleichen den Verlust der europäischen Gäste nur teilweise aus, zumal auch sie im Durchschnitt nur 2 - 3 Nächte bleiben.

Die Schweizer Bahnen, in Kooperation mit vielen innerschweizer Hotels, haben mittlerweile viele Sonderangebote aufgelegt, um die Gäste zu mehrtägigen Aufenthalten (bis zu 8 Tagen!) zu locken. Das Programmange-bot zeichnet sich durch eine hohe Flexibilität aus. Deutsche Reiseveranstalter haben diese Angebote in ihr Programm aufgenommen und bieten sie an – häufig in Kombination mit einer von ihnen organisierten Reise ab Deutschland.

Somit versucht die Schweiz mit vielen Mitteln den Einbruch im Tourismus abzufedern.

Die Terroranschläge der letzten Monate im Nahen Osten und in Paris haben auch im Tourismusgeschäft ihre Spuren hinterlassen.

Mehrere Flugreiseveranstalter ins östliche Mittelmeer haben noch auf der Messe Kunden mit Rabatten von bis zu 250.- € pro Person bei Sofort-buchung gelockt. Manche Flüge ins östliche Mittelmeer (inkl. Griechenland) kosteten weniger als 100.- € hin und zurück!

Paris verspürt ebenfalls die Folgen der Terroranschläge. Bei Gesprächen mit „Frankreich-Anbietern“ wurde immer betont, das Frankreich „gut läuft“.

Ausnahme ist jedoch Paris. Sobald Paris in einem Rundreiseprogramm auftauchte, waren die Buchungen nur sehr mau.

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Die Sicherheit spielte eine große Rolle auf der CMT.

Der gesamte Nahe Osten sowie das südliche Mittelmeer werden dieses Jahr die Verlierer sein. Davon profitiert u. a. Griechenland, das, trotz der zahlreichen Flüchtlinge, aufgrund der Wirtschaftskrise zu einem äußerst attraktiven Zielland geworden ist.

Die Krise im Nahen Osten ist für Spanien eine große Chance, das in allen Regionen fast zweistellige Zuwachsraten verzeichnet. Sollte es in diesem und im nächsten Jahr so weitergehen, so dürfte für Spanien die Wirtschaftskrise der Vergangenheit angehören, zumindest was den Fremdenverkehr angeht.

Von der „Sicherheitskrise“ profitiert zudem der Deutschlandtourismus.

In allen deutschen Urlaubsregionen wuchs die Zahl der Übernachtungen.

Der Deutschland-Tourismus erfreut auch die Wohnmobil- und Wohnwagen-hersteller. 2015 sind über 10 % mehr Wohnmobile und Wohnwagen als im Jahr zuvor zugelassen worden. Der Trend zur Luxusausstattung hält unvermindert an: Preise von weit über 100.000 € sind heute keine Seltenheit mehr!

Dieser Wohnmobiltrend hängt sicherlich mit der Individualisierung des Urlaubs zusammen. Ferien „von der Stange“ wollen immer weniger.

Immer mehr Ausländer entdecken Deutschland als Urlaubsland. Nicht nur die Zahl der Übernachtungen steigt kontinuierlich an, die Dauer des Aufenthalts wächst ebenfalls.

Bei den Auslandstouristen ist eine gewisses Nord-Süd-Gefälle festzustellen. Abgesehen von Berlin übernachten die ausländischen Gäste mehrheitlich in den südlichen Bundesländern.

Flusskreuzfahrten auf dem Rhein erfreuen sich bei ausländischen Besuchern weiterhin steigender Beliebtheit.

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Die Belegung der Hallen war dieses Jahr wieder ein Thema.

Warum Indien in derselben Halle vertreten war wie einige deutsche Busreisenunternehmen und Bahnreisen-Anbieter erschloss sich keinem.

Trotzdem konnte ich beim Rundgang über die CMT, die diesmal mit

214000 Besuchern nicht ganz den Erwartungen (mindestens 220 000 wurden erwartet!) entsprach, wieder viele interessante Gespräche führen.

Eine schöne Saison mit vielen netten Gästen

wünscht Euch

Peter Weinert