Verband der Studienreiseleiter e.V.

German Tourguide Association - gegründet 1988

Ein Rundgang über die CMT - 2017

Dieses Jahr war bei der Touristikmesse CMT (Caravan, Motor, Tourismus) auch der Terror ein Thema.

1. Reisemobile

Infolge der weltweit herrschenden Unsicherheit stiegen für einige Aussteller die Umsatz-zahlen. In einer Artikelüberschrift über die Messe konnte man lesen „Gute Geschäfte in Zeiten des Terrors“! Man hob auf die Umsatzsteigerungen der Reisemobilbranche ab.

Die wachsende Beliebtheit des Urlaubs im eigenen Wohnmobil zeigte sich nicht zuletzt daran, dass die Reisemobilbranche im Vergleich zum Vorjahr eine große Halle zusätzlich belegte.

Der Geschäftsführer der bekannten Marke Hymer, Martin Brandt, über den neuen Trend: „Von dieser Neuorientierung profitiert der gesamte Markt, ganz besonders die Hymer Group“. Mit der Neuorientierung bezog sich M. Brandt auf den Umstieg vom Flugzeug ins Reisemobil bzw. den Wohnwagen.

Einige der großen Marken konnten ihren Umsatz um 20% auf 50 000 Fahrzeuge steigern.

Weitere Hersteller freuen sich über die steigenden Verkaufszahlen, die teilweise zum „erfolgsreichsten Jahr der Unternehmensgeschichte“ führten (Fa. Knaus Tabbert).

Die heutigen Mobilurlauber haben mittlerweile ein völlig anderes Image als früher. Freizeitforscher Martin Lohman erkennt im zeitgenössischen Caravan-Urlauber eher den „überdurchschnittlich gebildeten Menschen mit vergleichsweise höherem Anspruchsniveau“. Es wird bewusst in Fahrzeuge investiert, die Erholung, Komfort und Freiheit verbinden. Davon profitier auch das Luxussegment innerhalb der Branche.

Ein hochpreisiger Nobelhersteller hofft, dieses Jahr 5 000 Luxusfahrzeuge zu verkaufen!

Der Trend zu großen Reisemobilen führt dazu, dass geeignete Campingplätze für diese Fahrzeuge in Europa mindestens ein halbes Jahr im Voraus gebucht werden müssen.

2. Kreuzfahrten

Umsatzsteigerungen lassen sich auch bei den Flusskreuzfahrten feststellen.

Für 2016 und 2017 rechnen die Anbieter „mit einem dicken Plus bei Umsatz und Teilnehmern“, so Benjamin Krumpen von Phoenix Reisen.

Viking Cruises ist auf nordamerikanische Kunden (USA und Kanada) spezialisiert. Von

den 1, 33 Millionen Flussreisen, die in Europa 2015 verkauft wurden, waren die beiden nordamerikanischen Länder der wichtigste Quellmarkt. Um 43% (!) wuchs die Nachfrage nach Kreuzfahrten auf Europas Flüssen.

In Deutschland reisten 424 000 Passagiere (+ 1, 9 %) mit einem Flussschiff.

Es werden zunehmend mehr und luxuriöser ausgestattete Schiffe gebaut; die meisten von ihnen sollen auf Rhein und Donau fahren.

Die Hälfte der 2015 bestellten Kreuzfahrtschiffe wurden für Viking Cruises gebaut.

Die große Nachfrage nordamerikanischer Veranstalter veranlassten die Anbieter, Schiffe mit weniger Kabinen, jedoch mit mehr Wohnraum und Luxus ausgestattet, zu bestellen. Manche

Kabinen sind doppelstöckig und jeweils mindestens 15 m2 groß.

Auf einem Kreuzfahrtschiff für US-Gäste gibt es häufig nur 60 statt 90 Kabinen.

Da die Kulinarik immer stärker in den Fokus rückt, wird im hinteren Teil des Schiffs eine weitere Restaurantfläche für „Live-Cooking“ oder Spezialitäten eingerichtet. Zum Angebot gehören u. a. Auster-Essen, Barbecue und Kaffeebar. Mittlerweile werden Gourmet-Themen-reisen mit Sterneköchen an Bord angeboten.

Überhaupt geht der Trend zu Thementouren, z. B. für Gartenfreunde, die entlang der Route Schlossanlagen und Parks besuchen, oder für Klassikliebhaber mit Konzerten an Bord.

3. Partnerregionen & Sonstiges

Diese Individualisierung des Urlaubs lässt sich in den touristischen Hallen ebenfalls beobachten.

Partnerregion bzw. –Land waren dieses Jahr Nördlicher Schwarzwald und Albanien.

Albanien setzt gezielt auf Individualtouristen. Am großen Stand des Adria-Landes konnte man sich über den „letzten weißen Fleck Europas“ umfassend informieren. Man versucht bewusst auf die vielfältigen Wünsche der allein reisenden Touristen einzugehen und weist auf die verschiedensten Urlaubsmöglichkeiten hin: von Wandertouren im Inland über das 

kulturelle Erbe mit den zahlreichen antiken Stätten bis zum Strandurlaub an den schöngele-genen Küstenorten, die noch nicht von Bettenburgen verschandelt sind (wenn man den Fotos glauben darf!).

Die Nachfrage nach individuell „geschneidertem“ Urlaub nimmt zu. Die sehr unterschied-lichen Ansprüche der Kunden sind eine große Hausforderung für alle Veranstalter. Deshalb gab es in einer Halle einen Extra-Verbund von 26 Teilnehmern, die auf die verschiedensten Bedürfnisse eingehen wollten.

Der heutige Urlauber möchte ein auf ihn zugeschnittenes Paket bekommen.

Er selbst gibt Inhalt, Tempo und Budget vor und kann sich nach Belieben für oder gegen einen privaten Reiseleiter entscheiden.

Der Tourist von heute ist bereit, tiefer in die Tasche zu greifen, erwartet jedoch ein wirklich individuelles Rundumpaket.

Die Individualreisen werden meist als Bausteinreisen angeboten. Häufig wird die längere Rund- oder Erlebnisreise mit einem Strandurlaub, der meist kürzer ist, kombiniert, um somit die Tour zum einem entspannten Reisetraum werden zu lassen.

In Afrika sind Namibia und Südafrika in dieser Kombination Spitzenreiter bei Individual-touristen. In Amerika steht Costa Rica ganz oben auf der Wunschliste, gefolgt von Kanada und den USA (falls man jetzt noch ein Visum bekommt!).  Der USA-Stand war im Vergleich zu Kanada nur spärlich besucht. Australien und Neuseeland sind immer noch stark gefragt.  Laos, Vietnam und Thailand zeigen steigende Tendenz. Die Stände dieser drei Länder waren stark frequentiert.

In der Hoffnung auf viele Buchungen und zufriedene Gäste wünsche ich eine friedliche Saison 2017!

Peter Weinert